ESSEN ALS ERINNERUNG: WIE DEIN ESSVERHALTEN DURCH DEINE VERGANGENHEIT BEEINFLUSST WIRD

Kannst du durch Essen bestimmte Erinnerungen in dir wecken? Und kann das einen bedeutenden Einfluss auf dein gesamtes Ernährungsverhalten nehmen? Diese Fragen analysiere ich in dem heutigen Beitrag und gebe dir Tipps, wie du gezielter dein Esseverhalten damit steuern kannst.

 

ESSEN ALS ERINNERUNG – WAS MACHT DICH GLÜCKLICH?

Ich liebe Käsekuchen! Zu jedem Geburtstag wünsche ich mir diesen Kuchen und manchmal schickt meine Mama ihn sogar quer durch Deutschland, wenn ich es nicht nach Hause schaffe. 

Doch ich liebe Käsekuchen nicht nur, weil es einfach der leckerste Kuchen der Welt ist. Vielmehr ist diese Leckerei mittlerweile ein Symbol für den Tag geworden, an dem ich mich besonders gut, umsorgt und geliebt fühle – mein Geburtstag.

Daher stelle ich heute folgende Fragen:

  • Kann ich mit einem Stück meines Lieblingskuchens diesen Moment, diese Emotionen und schöne Erinnerungen wachrütteln? 
  • Verknüpft unser Gehirn wirklich Essen mit bestimmten Gefühlen und wenn ja, wie funktioniert das?
  • Kann das sogar Einfluss auf unser Ernährungsverhalten nehmen?
  • Ist Essen als Erinnerung wirklich ein Phänomen in der Ernährungspsychologie?

 

ERNÄHRUNGSPSYCHOLOGISCHES PHÄNOMEN: RÜTTELN BESTIMMTE LEBENSMITTEL ERINNERUNGEN WACH?

Die Antwort in aller Kürze: Ja, Essen als Erinnerung gibt es tatsächlich!

Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff, der von zwei Psychologen geprägt wurde, die sich mit dieser Thematik “Essen als Erinnerung” beschäftigen. und sich dabei auf ein Buch des Autors Marcel Proust beziehen: der Proust-Effekt. 

In dem Buch mit dem Titel „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beschreibt der Protagonist, wie er in einen in Lindenblütentee getränkten Madeleine Kuchen beißt und sich dadurch ganz plötzlich in seine Kindheit zurückversetzt fühlt. 

Bestimmte Geschmäcker oder Gerüche können also definitiv Erinnerungen aus der Vergangenheit hervorrufen.

 

 

ESSEN ALS ERINNERUNG – DAS PASSIERT IM GEHIRN

Erinnerungen können natürlich auch durch andere Reize ausgelöst werden, unter anderem durch Musik. 

Du hast bestimmt auch einen oder mehrere Songs, die dich immer wieder an bestimmte Situationen oder Personen aus deiner Vergangenheit erinnern.

Doch die Forschung besagt momentan, dass Erinnerungen durch Nahrungsmittel am weitesten zurückreichen, meistens positiver sind und auch am intensivsten erlebt werden.

Physiologisch ist das auch gut erklärbar, denn beim Essen passiert so einiges in unserem Gehirn. 

Bei der Nahrungsaufnahme wird nicht nur ein Reiz, wie zum Beispiel bei der Musik, angeregt. Insgesamt sind es sogar drei unterschiedliche: fühlen, schmecken, riechen.

Haptischer Reiz: Wie fühlt sich das Essen in deinem Mund an? Ist es weich oder hart, ist es scharf oder prickelt es auf der Zunge? Du kannst verschiedene haptische Reize wahrnehmen.

Gustatorischer Reiz: Wie schmeckt dein Essen? Süß oder sauer, lecker oder magst du es eher nicht so? Die Geschmacksknospen auf der Zunge leiten die vielen gustatorischen Reize an das Gehirn weiter.

Olfaktorischer Reiz: Wie riecht dein Essen? Dieser Reiz ist besonders wichtig, um das Essen mit Erinnerungen zu verknüpfen. Du riechst dein Essen nämlich nicht nur „von außen“, also über deine Nase.

 

ERNÄHRUNGSPSYCHOLOGIE ERKLÄRT: DER RIECHREIZ IST DER STÄRKSTE

Während du kaust, vermischen sich die Nahrungsmittel mit deinem Speichel, werden durch die Körperwärme noch einmal auf eine andere Temperatur gebracht und dadurch werden neue Aromen freigesetzt, die du zusätzlich „von innen“ riechen kannst. Das nennt sich übrigens retronasale Wahrnehmung. 

Durch die Mundhöhle gelangen diese neuen Aromen in deinen Nasenraum, treffen dort auf weitere Rezeptoren und werden direkt in den Bereich des Gehirns weitergeleitet, der für diese Reize verantwortlich ist.

Dieser Bereich liegt im Gehirn jedoch direkt neben dem Areal, dass für unsere Emotionen und Erinnerungen zuständig ist. Diese beiden Bereiche sind anatomisch einzigartig miteinander verknüpft. Forscher gehen daher davon aus, dass Riechreize Erinnerungen besonders intensiv auslösen können.

 

POSITIVE UND NEGATIVE ERINNERUNGEN DURCH ESSEN

Grundsätzlich verknüpfen wir jedes Lebensmittel mit einer Erinnerung. Diese wiederum ist mit einer erlernten Assoziation verbunden. 

Für mich ist die erlernte Assoziation, dass ich Käsekuchen mit dem Gefühl der Aufmerksamkeit, der Liebe und der Zugehörigkeit verbinde.

Das kann aber genauso gut auch eine negative Emotion sein.

Vielleicht hast du dich auch schon einmal durch den Verzehr eines bestimmten Lebensmittels körperlich schlecht gefühlt. Wer schon einmal eine Lebensmittelvergiftung hatte, weiß, wie lange danach man das bestimmte Gericht nicht essen kann. 

Du kannst aber auch ein negatives Erlebnis an bestimmte Lebensmittel oder Gerichte in deinem Kopf knüpfen.

Vielleicht musstest du als Kind oft ein Familienmitglied besuchen, bei dem du dich nicht besonders wohlgefühlt hast. Dort wurde dann auch noch zusätzlich häufig ein bestimmtes Gericht serviert, dass du seither nicht wirklich magst und daher auch nicht isst.

 

ESSEN ALS ERINNERUNG BEEINFLUSST DEIN ESSVERHALTEN

Welche Lebensmittel positive oder negative Emotionen auslösen, ist dir nur unbewusst klar. 

Geht es dir schlecht, weil du zum Beispiel einen schlechten Tag im Job oder Probleme mit deinem Partner oder im Freundeskreis hast, dann greifst du unbewusst zu Lebensmitteln, die in deinem Gehirn eine positive Assoziation auslösen. Schließlich möchtest du, dass es dir wieder besser geht.

Du möchtest dich damit ein bisschen aufmuntern und das ist völlig normal. Solange es im Rahmen bleibt. 

Befindest du dich jedoch in einer schlechten Phase, die über längere Zeit andauert, dann kann dieses Essverhalten schnell ins Ungleichgewicht kippen. Du greifst dann vermehrt zu Käsekuchen, Schokolade, Pizza mit viel Käse, weil du dich unbedingt besser fühlen willst. 

Du kennst in dieser Situation auch keinen natürlichen Stopp, denn Hunger ist in dem Moment nicht der Antreiber.

Was kannst du also tun?

 

ESSEN ALS ERINNERUNG: 2 SCHRITTE FÜR EIN BESSERES ESSVERHALTEN

Du merkst, dass du seit einiger Zeit vermehrt zu deinen „Glücklichmacher“ Lebensmitteln greifst? Diese zwei Schritte können dir aus dieser Situation helfen:

 

HINTERFRAGE DEINE HANDLUNGEN

Greifst du immer wieder zum gleichen Essen in solchen Situationen? Dann analysiere, welche Assoziationen du damit verbindest. Gibt es bestimmte Momente in deiner Vergangenheit, in denen es genau dieses Essen gab? Sind es glückliche und positive Erinnerungen? 

So kannst du nach und nach herausfinden, welche Lebensmittel oder Gerichte besonders in dir verankert sind.

 

FINDE ALTERNATIVEN

Doch nicht immer hilft dir allein das Bewusstsein. Du weißt zwar, warum du das bestimmte Essen als Erinnerung nutzt, tust es aber trotzdem immer wieder. 

An diesem Punkt kannst du Alternativen für dich finden. Wie kannst du auch auf anderem Wege zu diesen positiven Emotionen kommen, um dich wieder besser zu fühlen?

Am Beispiel des Käsekuchens: Vielleicht kannst du in Momenten, in denen du Aufmerksamkeit oder Geborgenheit brauchst, einfach deine Familie oder deinen Partner anrufen? 

Versuche neue Ressourcen zu finden, die in dir dieses gute Gefühl auslösen, die du sonst mit einem bestimmten Essen verbindest. 

 

Essen als Erinnerung – ernährungspsychologisch gibt es dieses Phänomen. Der sogenannte Proust-Effekt verbindet schöne und auch negative Erinnerungen mit bestimmten Lebensmitteln. Doch du hast es in der Hand, in solchen Situationen Alternativen zu finden. Wie sind deine Erfahrungen mit Essen als Erinnerung? Ich freue mich auf deine Geschichte in den Kommentaren!

 

 

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