HANGRY: WARUM DU SCHLECHTE LAUNE BEKOMMST, WENN DU HUNGER HAST

Viele Menschen bekommen extrem schlechte Laune, wenn sie hungrig sind. Dieser Zustand wird auch „hangry“ genannt. Ich erkläre dir, warum dein Körper bei Hunger so extrem reagiert und auch, was du in Zukunft dagegen tun kannst. Kleiner Spoiler: Diese Reaktion ist ganz natürlich!

 

HANGRY – SINKT DEINE LAUNE AUCH BEI HUNGER?

„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“ – diesen Spruch kennst du sicher aus einem bekannten Werbespot für einen Schokoriegel. Wer kennt es nicht: Der Hunger meldet sich und plötzlich nervt einfach alles. Du bekommst richtig schlechte Laune, verlierst deine Geduld und bist zu jedem, der dich anspricht, grantig. 

Dieses Verhalten nervt. Nicht nur dich selbst, sondern vor allem auch dein Umfeld, dass dich mit der miesen Laune ertragen muss. Doch wieso werden wir so aggressiv, wenn wir ein Loch im Bauch haben und kann man dagegen etwas tun?

Ich verrate dir, was im Körper bei Hunger passiert, warum sich das auf unsere Laune auswirkt und auch, wie du dagegen steuern kannst.

 

 

 

SCHLECHTE LAUNE BEI HUNGER BEKOMMT EIGENEN BEGRIFF

Bei vielen geht die Laune den Bach runter, wenn sich nagender Hunger im Magen breit macht. Dieses Phänomen ist sogar so bekannt, dass in den USA ein eigener Begriff dafür etabliert hat: hangry.

Das Wort setzt sich zusammen aus dem Wort „hungry“, dem englischen Begriff für hungrig und „angry“, was so viel wie wütend bedeutet. Ziemlich passend, finde ich.

Doch um nachzuvollziehen, warum wir „hangry“ werden, müssen wir verstehen, was in unserem Körper überhaupt passiert, wenn wir hungrig sind.

 

WAS PASSIERT IM KÖRPER, WENN WIR HANGRY SIND?

Gucken wir uns zuerst an, was in deinem Körper vorgeht, wenn das Gegenteil eintritt. Sprich, wenn du ausreichend Nahrung zu dir genommen hast. 

Wenn du etwas isst, dann steigt dein Blutzuckerspiegel. Durch die aufgenommene Nahrung gelangt Zucker in deinen Körper. Dieser wandert durch den Darm in deine Blutbahn, wo der Zucker genau dahin transportiert, wo er gerade gebraucht wird. 

Kommt der Zucker in eine Zelle an, wird dieser schließlich in Energie umgewandelt und versorgt damit die Organe. Zum Beispiel benötigt unser Gehirn enorm viel Energie, tatsächlich ca. 20 % der gesamten Energie, die wir zu uns nehmen. 

Isst du jedoch zu wenig, kommt es zu einer Unterzuckerung. Du hast nicht mehr ausreichend Energie, um die verschiedenen Organe in deinem Körper zu versorgen. 

Dadurch wird ein Notsignal in deinem Körper ausgelöst. Über Hormone wird vermittelt, dass du jetzt besser etwas essen solltest und der berühmte Heißhunger tritt ein. 

Dein Körper möchte um jeden Preis Nahrung bekommen, damit der Unterzucker ausgeglichen werden kann.

 

DIE SCHLECHTE LAUNE: HANGRY

Leider kann es im viel beschäftigten Alltag schnell passieren, dass du hungrig wirst, aber gerade nicht essen kannst. Vielleicht sitzt du in einem wichtigen Meeting mit deinem Chef oder bist anderweitig beschäftigt und hast keinen Zugang zu Nahrung. 

Eher früher als später wirst du deshalb gereizt und der Erste, der dich anspricht, bekommt direkt die volle Ladung ab!

Hangry zu sein ist dabei eine völlig natürliche Reaktion auf den Notstand in deinem Körper.

Durch die Unterzuckerung schaltet dein Gehirn in eine Art Energiesparmodus. Dein Körper versucht mit der noch vorhandenen Energie auszukommen und geht auf Stand-by.

Doch in diesem Zustand fällt es extrem schwer, sämtliche Emotionen zu kontrollieren. Dinge, die du in deinem Alltag sonst völlig normal findest, bringen dich plötzlich auf die Palme – du hast überhaupt keine Geduld mehr. 

Unterzuckerung bedeutet für unseren Körper nämlich vor allem eins: Stress.

Was unter Stress passiert, habe ich bereits in meinem Beitrag „Nie wieder Stressessen – 4 wirkungsvolle Techniken, die dir helfen“ ausführlich erklärt. 

Kurz gesagt: Kommt unser Körper in eine Stresssituation, wird vermehrt Cortisol ausgeschüttet.

Das führt dazu, dass einige Areale im Gehirn blockiert, während andere aktiviert werden. Diese Areale haben einen enormen Einfluss auf unser Verhalten.

So wird beispielsweise der präfrontale Kortex blockiert. Dieser Bereich sorgt eigentlich dafür, dass wir unser Verhalten reflektieren und bewusst handeln. 

Zu Zeiten unserer Vorfahren bedeutete Stress häufig auch Gefahr. Wurde jemand von einem wilden Tier verfolgt, schüttete der Körper haufenweise Cortisol aus, damit eine schnelle Reaktion erfolgen konnte.

Hätte der Mensch zunächst die Situation mit dem Präfrontalen Cortex gelöst und abgewägt, ob er jetzt lieber nach links oder doch nach rechts fliehen oder doch eher auf einen Baum klettern soll, wäre er längst gefressen worden.

Deshalb wird gleichzeitig das Stammhirn, auch Reptiliengehirn genannt, aktiviert. In diesem Areal liegt der Überlebensinstinkt. Dieser Instinkt sorgt dafür, dass jeder Mensch in einer Gefahren- oder eben Stresssituation zunächst an sich selbst denkt.

Man sieht nicht mehr das große Ganze, sondern wird egoistisch und versucht, das eigene Überleben um jeden Preis zu sichern.

Die Folge: Anderen gegenüber ist man nicht freundlich, sondern vielleicht sogar aggressiv, denn Notsituation erfordern schnelle Handlung. 

Genau das führt dazu, dass du bei starkem Hunger hangry wirst. Du bist genervt und ein Stück weit rücksichtslos und reagierst anders, als wenn dein Blutzuckerspiegel stabil ist.

 

HANGRY AUS ENERGIEMANGEL

Du wirst also hangry, weil dein Körper ganz simpel an einem Energiemangel leidet, was im Körper zu Stress führt. Alles, was nicht mit Nahrungsaufnahme verbunden ist, stempelst du als negativ ab und hast keine Lust, dich damit auseinanderzusetzen. 

Die schlechte Laune bei Hunger ist also eine Art Selbstschutz, denn mit leerem Magen hast du buchstäblich keine Energie für Nettigkeiten, Geduld oder Verständnis anderen gegenüber.

Die Kraft, die dein Körper noch aufbringt, bündelt er, um möglichst schnell aus dieser Notlage zu kommen.

 

HILFT DER SCHOKORIEGEL WIRKLICH GEGEN DIE SCHLECHTE LAUNE BEI HUNGER?

Doch wie kannst du nun verhindern, dass du deine Freunde, Kollegen und Familienmitglieder mit deiner miesen Laune strafst, wenn du hangry bist?

Hilft der in der Werbung angepriesene Schokoriegel wirklich, wenn dein Körper sich in der Notlage befindet?

Schokolade ist in erster Linie süß, da eine Menge Zucker enthalten ist. Dieser Zucker wird Saccharose genannt und ist ein sogenannter zweifacher Zucker, der aus zwei Zuckermolekülen besteht. 

Isst du den Riegel, wird der zweifache Zucker durch Enzyme gespalten, da wir nur einzelne Zuckermoleküle durch die Darmwand resorbieren können.

Die Spaltung geht beim Zweifachzucker aufgrund des einfachen Aufbaus ziemlich schnell. Daher gelangt der Zucker rasch in unsere Blutbahn.

Einen Vorteil hat der Schokoriegel also: Du kommst ziemlich flott aus der Unterzuckerung raus, da der Zucker schnell aufgenommen werden kann. 

Doch es gibt auch einen entscheidenden Nachteil. Wenn der Blutzuckerspiegel steigt, schüttet der Körper Insulin aus. 

Dieses Hormon wird in der Bauchspeicheldrüse produziert sorgt und dafür, dass die Zuckermoleküle von den Zellen aufgenommen werden können, wo sie zu Energie weiterverarbeitet werden.

Steigt dein Blutzuckerspiegel jedoch rasch an, wie im Falle des Schokoriegels, schüttet der Körper oftmals zu viel Insulin aus. Das sorgt dafür, dass der Zucker aus der Blutbahn direkt in die Zellen gelangt. Somit kann es schnell wieder zum Unterzucker kommen – das Spiel geht also von vorne los.

Ein Schokoriegel wirkt also schnell, verliert aber genauso schnell seine Wirkung und dein Körper verlangt nach mehr. Schlechte Laune – hangry sein – ist vorprogrammiert.

 

BESSERE ALTERNATIVEN GEGEN HANGRY

Glücklicherweise gibt es zahlreiche Alternativen, damit du nicht gleich wieder ins nächste Tief fällst. Die Antwort liegt in den komplexen Kohlenhydratketten. Zum Beispiel eignen sich Vollkornprodukte hervorragend gegen das Hungergefühl und das hangry sein. 

Ballaststoffreiche Nahrungsmittel werden im Magen-Darm-Trakt langsamer verarbeitet, weil die Enzyme mehr Zeit benötigen, um die komplexen Zuckermoleküle zu spalten. So hat auch die Bauchspeicheldrüse mehr Zeit, die Insulinausschüttung anzupassen.

Zusätzlich bleibst du auch länger satt, weil dein Magen-Darm-Trakt länger mit der Verdauung beschäftigt ist. Eine Win-win-Situation also. 

Solltest du beim nächsten Mal spüren, dass du hangry wirst und deine Laune sinkt, dann wäge also zuvor ab, ob du zum Schokoriegel oder doch lieber zu einer vollwertigen Alternative greifst.

Weitere Infos dazu, wie Zucker auf unsere Sättigung Einfluss nehmen, und welche Rolle die Komplexität dabei spielt, findest du hier: Wie Polysaccharide Heißhunger stillen.

 

EIN TIPP ZUM SCHLUSS: SO VERMEIDEST DU SCHLECHTE LAUNE BEI HUNGER

Der beste Tipp gegen das hangry sein: Lasse es nicht so weit kommen! Bleibe aufmerksam und höre auf deinen Körper. Verspürst du leichten Hunger, dann bedeutet das grünes Licht für die nächste, ausgewogene Mahlzeit. 

Warte nicht, bis du ein so großes Loch im Magen hast, dass nichts mehr geht und du dir selbst und deinem Umfeld das Leben zur Hölle machst. Solltest du einen voll geplanten Tag vor dir haben, der dir wenig Zeit zum Essen lässt, dann sorge mit ein paar Snacks vor, die du ohne Aufwand zwischendurch essen kannst.

Wenn du trotzdem hangry wirst oder vielleicht jemand in deinem Umfeld extrem schlechte Laune aufgrund von Hunger bekommt, dann erinnere dich an diesen Beitrag und habe ein wenig Verständnis für diese natürliche Reaktion des Körpers. 

Vielleicht kannst du mit deinem Wissen einer anderen Person auch schnell wieder aus der Unterzuckerung heraushelfen. 

 

Wie sind deine Erfahrungen mit dem hangry sein? Leidest du auch darunter oder kennst jemanden, der seine schlechte Laune beim starken Hunger an dir auslässt? Dann freue ich mich, wenn du deine Geschichte in den Kommentaren mit uns teilst.

 

 

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