NEIN SAGEN – WIE DU BEWUSSTE ENTSCHEIDUNGEN FÜR DEINE ERNÄHRUNG TRIFFST

Nein sagen fällt vielen Menschen schwer. Dabei kann es gerade beim Thema Ernährung ein wichtiger Schritt sein, der uns vor Übergewicht und dem unachtsamen Essen schützt. Ich erkläre dir, warum du dir mit dem Nein sagen so schwertust und wie du es schaffst, besser für deine Bedürfnisse einzustehen.

 

NEIN SAGEN IST SCHWER

Wir alle sagen viel zu häufig „Ja“ im Alltag, obwohl wir eigentlich „Nein“ meinen. Das passiert bei vielen Dingen. Wir verabreden uns mit Freunden, obwohl wir eigentlich eine Auszeit brauchen. Oder wir stimmen einem weiteren Projekt bei der Arbeit zu, obwohl der Schreibtisch überquillt. 

Auch bei der Ernährung fällt es vielen schwer, Nein zu sagen. Vielleicht hast du das auch bei dir schon mal beobachtet. Doch hast du auch schon hinterfragt, warum du in bestimmten Situationen viel zu häufig „Ja“ sagst obwohl du „Nein“ meinst?

Ein kurzer Hinweis vorweg: Ich beziehe ich mich in diesem Artikel nicht auf das Nein sagen während einer strengen Diät und möchte dich nicht dazu anregen, dir auch noch den letzten Bissen zu verwehren. 

Persönlich stehe ich Diäten kritisch gegenüber und bin der Meinung, dass du eher nach den Bedürfnissen deines Körpers agieren solltest, statt stur mit dem Kopf zu entscheiden und dir Nahrungsmittel zu verbieten. 

Mit diesem Artikel möchte ich dich vielmehr ermutigen, frei von sozialen Zwängen und Erwartungen Nein zu sagen. Auch wenn dein Umfeld mit Ansprüchen und Erwartungen an dich herantritt – egal ob es dabei um die Ernährung oder andere Angelegenheiten geht.

 

 

 

DU SAGST „JA“ – MEINST ABER DAS GEGENTEIL

Die Situation kennst du sicher. Im Verlauf eines Gesprächs wirst du etwas gefragt und antwortest impulsiv mit einem „Ja!“. Doch schon zehn Sekunden später stellst du fest: Moment, das will ich eigentlich gar nicht.

Aber deine Antwort ist gefallen und du fühlst dich verpflichtet, dabei zu bleiben.

Das kann zum Beispiel ein befreundetes Pärchen sein, dass dich fragt, ob du am Wochenende auf ihr Kind aufpassen kannst. Die beiden möchten sich gerne eine Auszeit nehmen und am Wochenende verreisen.

Natürlich gönnst du deinen Freunden eine Pause vom Alltag und stimmst daher direkt zu. Doch vielleicht hattest du an diesem Wochenende bereits eigene Pläne, wolltest dir Zeit für dich, ein gutes Buch und ein Bad nehmen.

Stattdessen hast du dich verpflichtet zu babysitten, obwohl es nicht dem entsprichst, was du eigentlich machen möchtest. Du hast – wieder einmal – schneller zugesagt, als du die Angelegenheit reflektieren und überdenken konntest.

Auch beim Thema Essen fällt das Nein Sagen häufig extrem schwer. Vielleicht hast du eine Oma, die dich gerne umsorgt. Du besuchst sie und natürlich hat sie einen Kuchen für dich gebacken. Dafür war sie extra morgens auf dem Markt, um frische Zutaten zu besorgen. Danach hat sie sich stundenlang in die Küche gestellt und deinen Lieblingskuchen zubereitet. Jetzt ist sie froh, dass sie dir etwas richtig Gutes tun kann.

Du bist jedoch pappsatt, weil du gerade erst gegessen hast. Eigentlich möchtest du jetzt keinen Kuchen, aber dein schlechtes Gewissen fordert etwas anderes. Dir fällt es schwer, abzulehnen – du sagst Ja.

Doch warum schaffen wir es in bestimmten Situationen nicht das auszusprechen, was wir eigentlich wollen?

Hinter jedem Verhalten, dass du an den Tag legst, verbirgt sich eine Absicht. Manchmal ist dir das nicht bewusst, doch jede Tätigkeit geschieht aus einem bestimmten Grund – und diesen solltest du immer hinterfragen.

Wenn du den Zweck deines Verhaltens erforschst, kannst du deine Handlungen nicht nur besser nachvollziehen, sondern auch Lösungsstrategien finden, mit denen du Situationen, wie zum Beispiel das Essen des ungewollten Kuchens, vermeiden kannst.

 

DIE THEORIE HINTER DEM NEIN SAGEN

Der Mensch war schon immer ein soziales Wesen. Wir fühlen uns gut, wenn wir Anschluss in einer Gruppe finden und Anerkennung von anderen bekommen. Begegnen uns Menschen jedoch mit Ablehnung, dann fühlen wir uns schlecht

Schon unsere Vorfahren haben immer in Herden gelebt und waren niemals freiwillig Einzelgänger, denn unsere Spezies gehört nicht zu den größten, schnellsten oder stärksten Lebewesen. 

Unsere Vorfahren waren jedoch clever und wussten, dass ein einzelner Mensch einem Säbelzahntiger nicht besonders viel entgegenzusetzen hat. In einer Gruppe hingegen konnten sie ihm sehr wohl die Stirn bieten. Mit diesem schlauen Schachzug haben sie ihr Überleben gesichert. 

Heute brauchen wir nicht unbedingt eine Herde, die uns vor Angriffen von außen schützt. Wir leben in einer völlig anderen Zeit und kommen heutzutage auch als Einzelperson gut durchs Leben.

Allerdings hat sich unser Gehirn nicht ganz so schnell diesen Entwicklungen angepasst. Deshalb vermittelt es uns noch immer, dass wir Anschluss finden müssen und darum lieber einmal zu viel Ja sagen, statt Gefahr zu laufen, durch ein Nein abgelehnt zu werden und somit „den Tod“ zu riskieren. Allein können wir schließlich nicht überleben – zumindest laut unseres Unterbewusstseins.

Aus diesem Grund signalisiert uns das Gehirn noch immer, dass wir anderen gefallen müssen, um dazuzugehören. Gesteuert wird dies übrigens über unsere Hormone.

Riskierst du es mit einer bestimmten Verhaltensweise auf Ablehnung zu stoßen, werden Stresshormone ausgeschüttet. Bist du hingegen beliebt und in einer Gruppe integriert, werden Glückshormone ausgeschüttet, was ein positives Gefühl in dir auslöst.

Dieser Zustand ist dir sogar so wichtig, dass du das allgemeine Wohl über deine eigenen Bedürfnisse stellst. Daher ist das Nein Sagen für dich und viele anderen Menschen sehr, sehr schwierig.

 

JA ZUM ESSEN – AUCH OHNE HUNGER

Vielleicht kommt dir folgende Situation bekannt vor: Du bist bei Bekannten eingeladen. Dort angekommen stehst du vor einem gedeckten Tisch, aber Hunger hast du eigentlich nicht mitgebracht. In dieser Situation Nein zu sagen, ist sehr herausfordernd, denn du möchtest deinen neuen Freunden nicht vor den Kopf stoßen.

Selbstverständlich ist es eine positive Eigenschaft, dass du dich um das Wohlbefinden und die Zuneigung deines Umfelds bemühst. Das Streben nach Harmonie ist schließlich nichts Schlechtes. 

Doch ignorierst du dabei deine eigenen Bedürfnisse, führst du sehr schnell nur noch ein fremdbestimmtes Leben. Du möchtest es anderen recht machen und vergisst dabei völlig, auf dich selbst zu achten.

Das macht dich auf Dauer nicht nur unglücklich, sondern kratzt auch an deinem Selbstwertgefühl, da du den Bedürfnissen anderer Leute mehr Wert schenkst als deinen eigenen. Die Meinung der anderen scheint wichtiger und mit deiner eigenen willst du nicht unnötig anecken. 

Im schlimmsten Fall entwickelt sich daraus ein Teufelskreis, der dich so unglücklich macht, dass du das mit Essen kompensieren möchtest. Stichwort: emotionales Essen.

 

DIE FOLGEN, WENN DU NICHT NEIN SAGEN KANNST

Wenn du bei jeder Gelegenheit „Ja“ zum Essen sagst, sind Folgen unvermeidlich. Auch eine Gewichtszunahme ist dabei langfristig unumgänglich. Das Sättigungsgefühl ist ein klares Zeichen, dass du bereits ausreichend Kalorien zu dir genommen hast. Isst du jetzt weiter, weil du es nicht übers Herz bringst „Nein“ zu sagen, dann erzielst du eine positive Energiebilanz und nimmst langfristig zu.

Eine weitere Auswirkung ist, dass du mit diesem Verhalten deine körperliche Wahrnehmung desensibilisierst. 

Ignorierst du über längere Zeit deine Sättigung, weil du aus Höflichkeit weiter isst, kann es passieren, dass die Wahrnehmung der inneren Reize nachlässt. Du verlernst wie sich eine angenehme Sättigung anfühlt und wann der richtige Zeitpunkt wäre mit dem Essen aufzuhören.

Dieses Problem ist nicht selten und wenn du noch tiefer in die Thematik des Sättigungsgefühls einsteigen möchtest, schau gerne in folgenden Artikel rein: „Wann bin ich satt? 3 Tipps, wie du dein Sättigungsgefühl trainieren kannst“ 

 

NEIN SAGEN LERNEN

Die Lösung, um aus diesem Kreislauf endlich auszubrechen, scheint zunächst relativ einfach. Du musst dich lediglich trauen, die Dinge abzulehnen, die dir nicht guttun.

Doch es scheitert selten am Wissen der Lösung, sondern eher an der Umsetzung. Warum schaffen wir es einfach nicht, der Oma die Wahrheit zu sagen und antworten stattdessen instinktiv mit einem Ja?

Die Antwort steckt im Wörtchen „instinktiv“. Denn ein Instinkt ist nichts anderes, als eine artspezifische Reaktion oder Verhaltensweise, die nicht bewusst abläuft und unserer Arterhaltung dient. 

Das bedeutet also, wenn wir instinktiv antworten, dann sind unsere „veralteten“ Gehirnstrukturen dafür verantwortlich. Wir dürfen keine Ablehnung erfahren, denn sonst bedeutet das womöglich unseren Tod. Wir antworten daher instinktiv mit der Aussage, von der wir glauben, dass unser Gegenüber sie hören möchte. 

Instinkte sind unbewusste Verhaltensweisen. Um Nein zu sagen bedarf es genau das Gegenteil – wir müssen ins bewusste Handeln kommen.

Konkret: Wirst du mit einem Essensangebot konfrontiert, dann nimm dir bewusst die Zeit, um eine Antwort zu finden.

Brauchst du das Stück Kuchen oder den Teller Nudeln wirklich oder machst du das nur, um der anderen Person einen Gefallen zu tun?

Im zweiten Schritt kannst du darüber nachdenken, ob dich die Person wirklich verurteilen und ablehnen wird, wenn du Nein zum Angebot sagst. Ich versichere dir: In den meisten Fällen ist das für dein Gegenüber völlig in Ordnung. Solange du es freundlich formulierst und deine Wertschätzung für die Mühen zum Ausdruck bringst. Vielleicht kannst du dir stattdessen etwas mitnehmen oder einfach später essen, wenn du wieder Hunger hast. 

Betrachte die Situation aus der anderen Perspektive. Du würdest deiner Freundin ebenfalls nicht die Freundschaft kündigen, wenn sie gerade keinen Hunger auf deine Muffins hat, die du gebacken hast. Stattdessen packst du selbstverständlich die Tupperschüssel aus und gibst ihr welche für später mit. 

Höre auf dich selbst, denn nur so kannst du deinen eigenen Bedürfnissen gerecht werden. So führst du auf Dauer ein selbstbestimmtes Leben, was dich viel zufriedener macht und dir einige Pfunde erspart. Solltest du also wieder einmal in solch einer Situation sein, dann reflektiere über die Antwort, bevor du voreilig „Ja“ sagst.

 

Nein sagen ist nicht einfach. Egal, ob es sich um einen Gefallen unter Freunden handelt oder das Essen, obwohl du schon satt bist. Doch häufig stimmst du aus den falschen Gründen zu und riskierst damit, deine eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen. Nimm dir daher Zeit, um wirklich zu fühlen, was du oder dein Körper in dem Moment braucht. Wie ist das bei dir? Kannst du leicht Nein sagen oder haderst du damit? Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren mit uns teilst.

 

 

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