SO WIRD DEIN ESSVERHALTEN BEEINFLUSST – WIE DIE INDUSTRIE UNS MANIPULIERT

Hast du Kontrolle über dein eigenes Essverhalten? Leider ist der Mensch für äußere Einflüsse sehr anfällig, was sich mit der Zeit auch auf das Essverhalten auswirken kann. Ich zeige dir, welche Situationen einen negativen Effekt auf dein Essverhalten haben können und gebe dir Tipps, wie du diese in Zukunft besser meistern kannst.

 

NICHT NUR DEIN ESSVERHALTEN WIRD BEEINFLUSST

Äußere Umstände beeinflussen nicht nur unser Essverhalten. Im Gegenteil: So ziemlich jeder Bereich deines Lebens wird – bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt – durch unterschiedliche Faktoren gelenkt.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie zum Beispiel dein Klamottenstil entstanden ist? Du hast natürlich deine eigenen Vorlieben. Dazu gesellen sich aber die Einflüsse deines Umfelds und natürlich noch jede Menge Werbung über verschiedenen Medien. So entsteht mit der Zeit dein eigener Stil.

Ähnlich verhält es sich auch beim Essen. Zu einem Teil entscheidest du natürlich bewusst, wie dein Essverhalten aussieht. Ein Großteil passiert jedoch völlig unbewusst und vor allem fremdgesteuert. 

Du triffst Entscheidungen anhand von äußeren Umständen, denen du dir oftmals gar nicht bewusst bist. 

Daher möchte ich dir einige Einflussfaktoren aufzeigen. Du wirst viele davon leider nicht ändern können, denn es liegt teilweise nicht in deiner Hand. Doch wenn du diese Faktoren kennst, kannst du bewusst darüber entscheiden, wie du handeln möchtest.

Erkennst du Gegebenheiten nicht, so fällst du in der Regel leicht auf die sogenannte „Masche“ rein und dein Essverhalten wird beeinflusst – und zwar nicht immer positiv!

In vielen Punkten wirst du sogar bewusst manipuliert. Die Nahrungsindustrie investiert jährlich besonders viel Geld in schlaue Köpfe, die Strategien entwickeln sollen, damit wir mehr essen.

Identifizierst du diese Tricks jedoch erst einmal, kannst du sie geschickt umgehen.

 

 

 

GESTÖRTES ESSVERHALTEN: DIE PORTIONSGRÖSSEN

Vor allem Fast-Food-Restaurants vergrößern ihre Portionen und eifern damit dem amerikanischen Vorbild nach. Was vor zehn Jahren noch als Riesenportion Pommes galt, ist heute höchstens nur noch eine mittlere Portion.

Doch wieso klappt der Trend mit den XXL-Pommes eigentlich? Schneiden sich die Fast-Food-Ketten damit nicht ins eigene Fleisch, wenn sie Unmengen an Essen für verhältnismäßig wenig Geld verkaufen?

Die Antwort ist: Nein! Essen ist überlebenswichtig. Das weiß auch unser Unterbewusstsein. Haben wir einmal kein Essen oder müssen ein paar Stunden hungern, reagieren wir dementsprechend gereizt und gestresst.

Große Essensmengen hingegen lösen genau das Gegenteil aus. Wir fühlen uns sicher, da wir unterbewusst unser Überleben gesichert wissen. An dieser Stelle einen lieben Gruß an die Hirnareale, die noch in der Steinzeit leben!

Deshalb fühlen wir uns gelassen und glücklich in Gegenwart von XXL-Portionen, unser Essverhalten wird also manipuliert. Langfristig sorgt dieses Gefühl auch dafür, dass wir schon sehr bald wieder Gast in diesem Restaurant sind, denn schließlich fühlen wir uns hier gut versorgt.  So machen diese Filialen langfristig trotz großer Portionen für kleines Geld durchaus Gewinn.

Daher rate ich dir: Lasse dich nicht von zu großen Portionen austricksen, sondern urteile nach deinem Hungergefühl. Hör auf zu essen, wenn du satt bist. Auch wenn das bedeutet, nicht alle Pommes aufzuessen.

Auch in gehobenen Restaurants (damit ist nicht die Haute Cuisine gemeint, die Miniportionen serviert) werden in der Regel zu große Portionen aufgetischt. Lasse dich auch hier nicht dazu verleiten, alles aufessen zu müssen. Vertrauen auf dein Sättigungsgefühl, unabhängig davon, was noch auf deinem Teller liegt. 

Wenn es für dich herausfordernd ist, dein eigenes Sättigungsgefühl wahrzunehmen, dann findest du hilfreiche Tipps in diesem Artikel: Wann bin ich satt?

 

ESSVERHALTEN MANIPULIERT: DIE GRÖSSE UND FORM DER BEHÄLTNISSE

Wenn du zu Hause kochst, solltest du die Mahlzeit auf einem kleinen Teller anrichten und eine kleine Gabel benutzen. Warum? Weil das Auge mitisst. 

Ein kleiner Teller ist nämlich viel schneller voll. Die Portion erscheint größer im Vergleich zum Teller und dein Verlangen nach Essen ist somit schneller befriedigt. Durch die kleine Gabel isst du automatisch langsamer, da weniger drauf passt.

Auch bei Trinkflaschen wird die Geschwindigkeit des Trinkens durch die Form bestimmt. Hat die Flasche eine große Öffnung, so trinkst du im Schnitt viel mehr und schneller. Doch leider passiert dir das nicht nur mit Wasser, sondern auch mit übersüßten Softdrinks.

Kleiner Tipp: Falls du auch zu den Leuten gehört, die zu wenig trinken (ideale Trinkmenge sind ca. zwei Liter am Tag, möglichst nur Wasser oder ungesüßte Tees), dann besorge dir eine Trinkflasche mit großer Öffnung, die du immer wieder auffüllen und bei dir haben kannst.

Schön, wie leicht wir uns auch selbst austricksen können, oder?

 

DIE VIELFALT BEEINFLUSST DEIN ESSVERHALTEN

Je größer das Essensangebot und die Vielfalt, desto mehr isst du auch. Ganz gefährlich: das Buffet!

Vereinfacht dargestellt zeigt eine Studie signifikante Ergebnisse zur Vielfalt. Die Probanden aßen 43% mehr M&Ms, wenn die Schokolinsen mehrfarbig statt einfarbig waren. 

Die Vielfalt der Produkte kannst du natürlich nicht beeinflussen, aber mache dir bewusst, dass das dein Essverhalten beeinflusst.

Vorsicht ist vor allem im Supermarkt geboten, wenn du vor dem gut bestückten Einkaufsregal am liebsten alles einpacken willst. Ich rate dir daher: Mache dir bereits vor deinem Einkauf Gedanken und kaufe gezielt ein.

 

SCHLECHT FÜR DEIN ESSVERHALTEN: NAHRUNG ALS ABLENKUNG

Essen ist eine tolle Beschäftigung! Aber kaum jemand konzentriert sich ausschließlich auf den Teller. Meistens spielst du nebenbei auf dem Smartphone, schaust eine Folge deiner liebsten Netflix-Folge oder hörst dabei einen Podcast. Doch wenn das Essen zur Nebensache wird, dann isst du automatisch mehr. 

Du nimmst die tatsächlich gegessen Menge viel weniger wahr. Das gilt auch für ruhige Hintergrundmusik, die in Restaurants sogar ganz bewusst eingesetzt wird

Daher solltest du möglichst ablenkungsfrei essen. Vor allem dann, wenn dein Hunger- und Sättigungsgefühl unter zu vielen Diäten und Fastenkuren gelitten hat und du deine Essensmengen in erster Linie mit dem Kopf steuern musst.

Mehr zum Thema Ablenkung beim Essen findest du hier: Durch bewusstes Essen abnehmen.

 

DEIN ESSVERHALTEN IN GESELLSCHAFT

Obwohl ich ein großer Freund des gemeinsamen Essens bin, ist es Fakt, dass du in Gesellschaft mehr isst. Im Schnitt fallen die Portionen bis zu 40% größer aus.

Erklärungsansätze sind zum einen die Ablenkung und zum anderen die längere Dauer des Essens. 

Das sollte jedoch kein Grund sein, dass du dich in Zukunft zum Essen ins einsame Kämmerchen verkriechst.

Sei dir der Tatsache einfach bewusst und achte beim nächsten Treffen mit deinen Freunden auf die Größe der Portion. Hole dir keinen Nachschlag, nur weil das Essen länger dauert, da ihr euch mal wieder verquatscht habt. Achte stattdessen weitere auf deine eigenen Sättigungssignale.

 

ERREICHBARKEIT UND BEQUEMLICHKEIT BEEINFLUSSEN DEIN ESSVERHALTEN

Gelegenheit macht Esser! Steht ein Snack in deiner unmittelbaren Nähe, dann greifst du sicher zu.

Das gilt auch für deine Essensvorräte. Der Gang zum Kühlschrank ist einfach und bequem, warum daher nicht ein bisschen snacken zwischendurch?

Müsstest du allerdings erst in den Supermarkt fahren, um deinen Lieblingsjoghurt zu kaufen, sinkt die Wahrscheinlichkeit rasant, dass du es auch wirklich tust. Denke daher lieber zweimal nach, bevor du dir größere Vorräte deiner liebsten Snacks anlegst. Denn früher oder später landen sie in deinem Magen.

Doch was tun, wenn man von der Kollegin die Pralinen geschenkt bekommt? Schließlich sind die nun – gewollt oder nicht – in deiner Wohnung!

Wenn du auch zu dem Typ Mensch gehörst, der die Pralinen aufisst, sobald er zur Tür rein ist, dann habe ich einen wertvollen Tipp für dich: Stelle die Pralinen niemals in greifbare Nähe!

Hier gilt das gleiche Prinzip wie beim Joghurt. Was leicht erreichbar ist, wird schnell gegessen. Erhöhe also den Aufwand, um an die Pralinen zu kommen.

Lege die Schachtel zum Beispiel in den Küchenschrank ganz oben, an den du nur mit Hilfe einer Leiter kommst. Auch hier gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn!

Sollte dich doch die Lust auf Schokolade überfallen, dann erlaube dir eine einzelne Praline und lasse sie langsam im Mund zergehen, um möglichst lange den Genuss zu spüren.

 

BEWUSST UND AUFMERKSAM DURCHS LEBEN FÜR EIN GESUNDES ESSVERHALTEN

Diese und noch viele weitere Einflüsse werden dir im Alltag ziemlich häufig begegnen. Sei es durch die bestimmte Platzierung der Lebensmittel im Supermarkt (möglichst bequem greifbar) oder durch Hintergrundmusik im Lieblingslokal, durch die du mehr isst.

Verhindern kannst du das leider nicht. Doch achte in Zukunft bewusster darauf, wirklich nur so viel zu essen, bis zu satt bist.

 

Wie bewusst erlebst du dein Essverhalten? Teile deine Erfahrungen gerne mit uns in den Kommentaren.

 

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