WARUM ESSEN WIR EIGENTLICH? - bastienne-neumann.de

WARUM ESSEN WIR EIGENTLICH?

Zwei ganz simple Fragen die du dir stellen solltest: Warum isst du überhaupt und wodurch wird deine Lebensmittelauswahl beeinflusst? Hast du dir darüber schon mal bewusst Gedanken gemacht?

Bevor du weiterliest solltest du dir einfach mal 5 Minuten Zeit nehmen und bewusst über diese beiden Fragen nachdenken. Schreibe deine eigenen Antworten auf und lese erst danach weiter. 

Warum essen wir?

Eigentlich ist diese Frage total simpel. So simpel, dass wir sie uns im täglichen Leben eigentlich gar nicht stellen. Die Antwortmöglichkeiten auf diese Frage sind aber im Gegensatz dazu ziemlich komplex. Bei der Beantwortung dieser Frage spielen die unterschiedlichsten Faktoren in unserem Leben eine Rolle. Viele davon nehmen wir auch gar nicht bewusst wahr! Gerade deswegen ist es so enorm wichtig, dass wir uns diese Frage bewusst stellen und uns Gedanken darüber machen.

Treibstoff des Körpers

Der offensichtlichste Grund warum wir essen ist, das unser Körper Nahrung als Treibstoff braucht. Wir brauchen Nahrungsmittel genauso, wie wir die Luft zum atmen und das Wasser zum trinken brauchen. Es ist möglich einen gewissen Zeitraum ohne Essen auszukommen aber am Ende ist unser Körper auf eine bestimmte Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen angewiesen, genauso wie auf Vitamine. Was genau unser Körper aus unseren Lebensmitteln braucht, hat die Ernährungswissenschaft heutzutage schon sehr gut erforscht und du kannst dich bestens informieren wie eine ausgewogene Ernährung aussehen sollte.

Hunger oder Appetit?

Da unser Körper ziemlich clever ist, hat er natürlich mehrere Möglichkeiten uns zu signalisieren wann er die oben erwähnten Nährstoffe haben will. Hunger ist ein relativ eindeutiges Signal des Körpers, dass ihm etwas fehlt. Das kann sich zum Beispiel in Form von Magenknurren, Müdigkeit oder schlechter Laune bemerkbar machen. Einigen Menschen wird sogar übel vor Hunger. Alternativ zum Hunger kennen wir alle aber auch den Appetit. Man könnte auch sagen der “psychologische Hunger”. Heutzutage haben wir die Möglichkeit fast überall und zu jeder Zeit etwas zu Essen zu bekommen, sodass richtiger Hunger eigentlich selten entsteht. Häufig verwechseln wir sogar Hunger und Appetit.

Unterschied zwischen Hunger und Appetit

Wenn wir von Appetit sprechen braucht unser Körper nicht wirklich Nährstoffe. Es kann sein, dass uns langweilig ist, dass wir etwas leckeres in der Auslage beim Bäcker sehen oder bei unsere Oma unser Lieblingsgericht angeboten bekommen.

Haben wir Appetit zeigt sich das meistens in dem Drang nach etwas ganz bestimmtem. Zum Beispiel einem Stück Käsekuchen oder etwas Salzigem. Haben wir jedoch Hunger, dann braucht der Körper einfach eine Magenfüllung und da ist es uns meistens egal, ob das eine trockene Scheibe Brot oder ein Apfel ist.

Essen aus Gewohnheit

Würden wir nur Essen, wenn der Körper uns signalisiert, dass er Hunger hat, würde die gesamte Diät Industrie wahrscheinlich gar nicht vorhanden sein! Was sind also weitere Gründe warum wir zum Essen greifen? – Die pure Gewohnheit! Ich zum Beispiel, brauche jeden Morgen nachdem ich aufgestanden bin und geduscht habe mein Frühstück. Das ist schon immer so gewesen und daran habe ich mich gewöhnt. Ob ich das von meinen Eltern übernommen habe oder ob ich mir das selbst angeeignet habe, sei dahingestellt. Jedenfalls “brauche” ich das und eigentlich ist dagegen ja auch nichts einzuwenden.

Dennoch beobachte ich bei anderen Leuten, das sie morgens überhaupt nichts essen wollen oder können. Dafür aber dann zum Beispiel Abends viel größere Portionen essen. So hat jeder Mensch seine eigenen Gewohnheiten in Bezug aufs Essen. Andere wiederum brauchen nach jeder Mahlzeit ein Dessert.

Die Problematik an der Gewohnheit ist, dass wir durch diese Gewohnheiten meist nicht aufgrund von Hunger essen, sondern weil wir es schon immer so gemacht haben. Unsere gewohnten Verhaltensmuster sind in den sogenannten „Basalganglien“ unseres Gehirns abgespeichert. Neben den Essgewohnheiten sind hier auch alle anderen Tätigkeiten gespeichert, die wir ganz automatisiert tun, wie zum Beispiel Laufen, Fahrradfahren oder gar Klavier spielen.

Automatisierte Prozesse

Nehmen wir das Klavierspielen als Beispiel. Anfangs denken wir über jede einzelne Fingerbewegung nach. Die Finger müssen korrigiert werden und die richtige Reihenfolge der Finger eingehalten werden. Das braucht Tage und Wochen an Übung bis irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem wir nicht mehr über jede Bewegung nachdenken müssen. Die Abläufe wurden inzwischen in unseren Basalganglien gespeichert und der Prozess des Klavierspielens läuft automatisch ab.

Genauso kann sich unser Essverhalten zu einem automatisierten Prozess entwickeln. Eine tagtäglich eingehaltene Ernährungsweise wird zur Gewohnheit und läuft automatisch ab, egal ob wir ein Hungergefühl haben oder nicht.

Das gute an unseren Gewohnheiten ist, dass wir diese durchaus umprogrammieren können und zu unserem Vorteil nutzen. Wie du die mit Hilfe der Gewohnheit ein neues Ernährungsverhalten aneignen kannst, erfährst du im Artikel “Gewohnheiten und Ernährungsmuster verändern”.

Essen aus Gelegenheit

Ein weiterer Grund weshalb wir häufig zum Essen verleitet werden, obwohl wir gar keinen wirklichen Hunger verspüren, ist die Gelegenheit.

Gelegenheit macht nicht nur Diebe, sondern auch Vielfraße. Das kann beispielsweise vorkommen, wenn wir eingeladen werden und es dort reichlich Essen gibt. Aufgrund des großes Essensangebotes, erwischen wir uns dabei, wir wir zum Schokoladenkuchen greifen und uns vielleicht auch nochmal Nachschlag holen, wenn es besondern gut geschmeckt hat. Im Prinzip haben wir körperlich nichts Essbares gebraucht, doch die Gelegenheit hat uns verführt. Hin und wieder ist das auch vollkommen in Ordnung, man sollte sich nur bewusstmachen, woher der plötzliche Essensimpuls kommt.

 

Essen weil es einfach schmeckt

Ein weiterer simpler Grund, weshalb wir mehr essen als geplant ist, dass es uns einfach gut schmeckt. Der Geschmack verführt uns zum Essen. An dieser Stelle möchte ich auch überleiten zur zweiten Frage: Warum wir ausgerechnet die Lebensmittel essen, die wir essen ?

Ganz klar, weil wir diese besonders gerne mögen. Jeder hat seine ganz eigenen Vorlieben, so mag der eine es gerne süß, der andere lieber salzig und wieder ein anderer mag vor allem eine cremige Konsistenz im Mund.

Bei manchen Lebensmitteln haben wir zusätzlich auch noch eine besondere “emotionale” Verknüpfung. Ich zum Beispiel bin der größte Käsekuchen-Fan, den man sich überhaupt vorstellen kann. Wenn ich es an meinem Geburtstag nicht nach Hause geschafft habe, hat mir meine Mutter ein Paket mit einem Käsekuchen quer durch Deutschland zukommen lassen. Hauptsache ich habe meinen Käsekuchen an meinem Geburtstag. Aber warum ist mir das so wichtig?
Mit dem Käsekuchen verbinde ich meine Kindheit und das tolle Gefühl Geburtstag zu haben. Die ganzen schönen Emotionen, die ich in meiner Kindheit erlebt habe kommen dann wieder hoch, wenn ich Käsekuchen esse. Jeder von uns hat solche emotionalen Verbindungen zu bestimmten Lebensmitteln. Höre mal in dich rein und überprüfe, ob du emotionale Bindungen zu bestimmten Lebensmitteln hast.

 

Die Rolle der Geschlechter beim Essen

Ein weiterer Punkt, der die Lebensmittelauswahl maßgeblich beeinflusst, ist die Rollenverteilung der Geschlechter in unserer Gesellschaft. Das hört sich Anfangs vielleicht ein bisschen komisch an, doch wenn wir das genauer betrachten, werden wir feststellen, dass die Rollenverteilung eine sehr große Rolle beim Essen spielen kann.

So treffen sich Frauen beispielsweise zum Kaffeekränzchen. Dabei wird das Wort “Kranz” direkt verniedlicht und klein gemacht. Mit dem Begriff wird assoziiert, dass die Frauen dasitzen ein kleines Täss”chen” Kaffee trinken und ein kleines Stück”chen” Kuchen dazu essen. Alles ist natürlich sehr leicht und klein. Männer hingegen treffen sich zum “Stammtisch”. Stammtisch hört sich direkt nach einem schönen großen Bier und einer Schweinshaxe an. Frauen können sich demnach verpflichtet führen diesem gesellschaftlichen Bild nachkommen zu müssen und bestellen leicht Speisen, auch wenn sie sehr hungrig sind, während besser auch häufig aufgrund dieser Vorurteile ihr Essen auswählen.

Dieses Bild wird auch täglich durch die Medien transportiert. Männer machen Werbung für die Bratwurst und stehen am Grill während im Hintergrund Fußball läuft. Die Frauen hingegen machen Werbung für den ganz leichten Prosecco. Das Klischee wird also schleichend durch die Medien transportiert und bestätigt.

Interessanterweise wurde in Studien sogar herausgefunden, dass Frauen, wenn sie unter sich sind ihr Essverhalten nicht anpassen sondern nach Lust und Laune schlemmen. Sobald jedoch ein Mann dabei ist, fangen Sie an sich Speien zu bestellen die „ladylike“ sind. “Ladylike” das heißt vor allem Salat, leichte Kost und weniger Fleisch. Bei Männern hingegen wurde beobachtet, dass sie sich überhaupt nicht beeinflussen lassen, wenn eine Frau dabei ist. Sie Essen worauf sie Lust haben, bedienen dabei aber auch gerne das Klischee des Vielfraß, der gerne viel und deftig isst.

Frustessen

Der letzte Punkt der dazu führt, dass wir in bestimmten Situationen zu bestimmten Lebensmitteln greifen, hängt vor allem mit unserem Belohnungssystem zusammen . Jeder von uns hat sich Strategien erschaffen, wie er mit unschönen Situationen und Gefühlen umgeht, in denen wir beispielsweise gestresst, gereizt sind oder traurig sind. In solchen Situationen greift der eine zur Schokolade, der andere zu Keksen und wieder ein Anderer zur Zigarette oder zum Glas Wein.

Jeder hat für sich ein Ventil gefunden, dass ihm kurzfristig ein wohliges Gefühl gibt und von der Stresssituation ablenkt. Dieser Umstand hat mit unserem Belohnungszentrum im Gehirn zu tun. Machen wir die Erfahrung, dass ein bestimmtes Lebensmittel in einer bestimmten Situation ein positives Gefühl (die Belohnung) hervorruft, dann wird diese Information im Belohnungssystem abgespeichert. Der Körper merkt sich diesen Vorgang für die nächste stressige oder traurige Situation, in der er eine Belohnung braucht und verlangt dann nach dem gleichen Lebensmittel.

Unsere Reaktion auf die täglichen Emotionen haben also durchaus eine Entscheidungskraft welche Lebensmittel wir auswählen. Emotionen und unser Umgang damit können somit einen großen Einfluss auf unsere Lebensmittelauswahl haben.

Höre auf deinen Körper

Ich hoffe ich konnte dir einen Einblick verschaffen Warum wir essen und warum wir hin und wieder gezielt zu bestimmte Lebensmitteln greifen. Wenn du das nächste mal Hunger verspürst oder den Drang hast etwas zu essen, nimm dir doch 1 bis 2 Minuten Zeit und Hinterfrage deinen Essimpuls: “Weshalb möchte ich überhaupt essen?

———

Du möchtest tiefer in die Ernährungspsychologie eintauchen und deinem eigenen Ernährungsverhalten auf die Spur gehen? Komme zum Workshop Ernährungspsychologie. Lerne Übungen und Strategien kennen, mit denen du deine Heißhungerattacken in den Griff bekommst und wieder eine gesunde Beziehung zum Essen aufbauen kannst. Erfahre HIER mehr.

Ich freue mich auf dich!

 

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Facebook
YouTube
Instagram